Poesie ohne Uranstaub

Arevas Uranstaub strahlt nach Franken

Warum uns die Verhältnisse in Niger etwas angehen

Wir in Deutschland sind nicht zuständig für die Areva-Minen“, so Arvea Deutschland-Sprecher Wilson gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, als unlängst auf einer Veranstaltung der Grünen in Nürnberg Atomkraftgegner das Uran-Geschäft des international tätigen Konzerns kritisierten.

Er hat ja recht. Die Verantwortlichen für die Abteilung „Mining“ sitzen in Paris. Warum also die deutsche Konzernzentrale in Erlangen für die Entscheidungen der Pariser anprangern? Warum nicht das Gute, das Areva für Erlangen und die Region tut, einfach gut sein lassen?

Fragen wir Alhacen.

Weit weg vom Land der Dichter und Denker, irgendwo zwischen Algerien, Burkina Faso und Nigeria liegt Niger. Die ehemalige französische Kolonie ist nach Angaben der Weltbank eines der 10 ärmsten Länder der Welt. Politische Unruhen, Korruption, Dürreperioden und Nahrungsmittelknappheit plagen die rund 14 Millionen Bewohner des Westafrikanischen Binnenstaates. Laut WHO hat nicht einmal jeder 2. Mensch in Niger Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Was dieses vergessene Land für Firmen wie Areva so interessant macht, ist das Uran. Noch geschätzte 30 bis 40 Jahre reichen die Vorkommen des radioaktiven Bodenschatzes im Land. Das sind viele Jahre gesicherter Atomstrom für die Industrienationen. Und für Niger gesichertes ausländisches Investment: Geld kommt, Infrastruktur wird geschaffen, Schulen und Krankenhäuser werden gebaut. So praktiziert es Areva in Minen-Städten wie Arlit oder Akokan.

Soweit so gut?

Was sich wie eine Win-Win-Situation anhört, ist bei genauer Betrachtung ein Geschäft mit Träumen. Auch Alhacen aus Arlit hat sie geträumt, all die Träume von einem besseren Leben, Chancen und Zukunft. Doch anstelle von Reichtum und blühenden Landschaften sind Krankheit, Tod und Verödung gekommen.

Als immer mehr seiner Minenarbeiter-Freunde an seltsamen Krankheiten starben, als immer offensichtlicher wurde, dass das versprochene bessere Leben leisen, geruchlosen Niedergang in sich trägt, gründete Alhacen die Umweltorganisation Aghirin Man. Über neun Jahre liegt das nun zurück.

Heute weiß er von Radioaktivität, die beim Uranabbau frei wird. Die im Boden und im Wasser von Arlit und Akokan teilweise über internationalen Richtwerten gegenwärtig ist. Radioaktivität, der nicht nur die Minenarbeiter schutzlos ausgeliefert sind. Auch ihre Frauen und Kinder atmen, trinken und essen den strahlenden Tod. 

Alhacen kämpft dafür, dass Areva Verantwortung übernimmt. Aber Alhacen ist arm, das bisschen was er hat, hat er Areva zu verdanken. Deswegen ist er nicht sehr gefährlich und Areva lässt ihn gewähren. Areva verspricht auch Besserung. Seit 2002 erfülle der Konzern höchste internationale Standards zur maximalen Strahlendosis, beteuert Areva gegenüber Spiegel Online.

Als Greenpeace 2009 Arlit und Akokan mit einem Geigerzähler besucht, Boden – und Wasserproben nimmt, sprechen die Ergebnisse eine andere Sprache. Dazu Greenpeace- Aktivistin Rianne Teule im Spiegel: „ Es gibt in den Minenstädten Arlit und Akokan überall radioaktive Kontamination: in der Luft, Im Wasser, in der Erde. Wir fanden eine hohe radioaktive Belastung in den Sraßen von Akokan. Das bei der Uranförderung übriggebliebene Gestein liegt im Freien herum. Dadurch gelangt Radon in die Luft, das schon in geringer Konzentration Krebs verursachen kann. All das bedroht die Gesundheit der 80.000 Menschen, die dort leben.“

Uranstaub auch in Franken

Alhacens Geschichte ist in Erlangen angekommen. Hier, am Hauptsitz von Areva Deutschland, schiebt man die Verantwortung für die Unternehmenspraxis im fernen Afrika weit von sich. Lieber zeigt man sich für großzügige Schecks verantwortlich, die das kulturelle und sportliche Leben in der Region beflügeln.

Ob das Club-Sponsoring, die Stummfilmtage, das Arena-Theater oder das Poetenfest, das Areva-Logo klebt auf jedem Trikot, auf jedem Programmheft, auf jedem Flyer. Und mit ihm ein Hauch Uranstaub aus Arlit. In einer Welt globaler Finanz- und Wirtschaftsströme ist auch Verantwortung globalisiert worden.

Dem Poetenfest liegt der Uranstaub besonders schwer auf der Seele. Stehen zeitgenössische Dichter doch auch in der Tradition großer Namen wie Schiller, Büchner, Bachmann, Grass und wie sie alle heißen. Schriftsteller und Autoren, die für die Rechte der Entrechteten das Wort erhoben haben, Autoren, die für die Freiheit des Denkens und der Kunst stehen, lesen und werden unter dem Areva-Logo gelesen?!

Poetenfest freikaufen!

Doch es kann besser werden. Denn Erlangen kann sich sein Poetenfest auch ohne Arevas Uranstaub leisten. Kaufen wir das Poetenfest frei! Für uns eine Geste, für Alhacen und die Menschen in Niger ein Zeichen, dass die Welt sie nicht vergessen hat.

Weitere Infos zum Uranabbau:

Aktuelle Studie des Ökumenischen Netzwerk Zentrakafrika

Video von Greenpeace auf Youtube

Spiegel-Artikel zum Uranabbau

Areva bestätigt erhöhte Strahlung

Risiko Uranabbau



Aktueller Kassenstand

Zielsumme: 15.000 Euro

Gesammelte Summe:

15.070, - Euro (Stand: 19.12.2011)

Jawohl! Wir haben es geschafft! Dank allen Bürger-Sponsoren, Mitmachern und Unterstützern!

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Die Aktion in der Presse

Das schreibt und sendet die Presse über Poesie ohne Uranstaub.